Yiquan

YIQUAN 意拳

YIQUAN (gesprochen I Tschuan) ist ein Übungsweg aus China. Im Zentrum des Trainings stehen Meditation und der Einsatz der Willenskraft.
Yiquan umfasst stilles und bewegtes Qi Gong, schult das Körperbewusstsein und legt Grundlagen, um einen klaren, kraftvollen Zustand zu erleben. Die Tradition des Chan-Buddhismus, aus welchem sich in weiterer Folge auch Zen entwickelte, hatte auf Yiquan grundlegenden Einfluss. Die Schulung und Befriedung des Herzens sind Ziele des Trainings. Der Unterrichtsstil ist charakteristischer Weise einfach und pur. Wir lernen durch den Einsatz unserer Intention (Yi)  unsere Willenskraft als wichtiges Werkzeug auf dem Weg dieser inneren Kampfkunst optimal zu nutzen.

Yiquan, welches 1926 vom Begründer Wang Xiangzhai etabliert wurde, besteht aus drei, einander ergänzender und sich durchdringender Komponenten:

  • Gesundheitserhaltung (yang sheng)

  • Meditation

  • Kampffertigkeit (jiji zhuang)

Gesundheitstraining

Ein körperlich stabiler, geistig klarer und emotional ausgeglichener Gesundheitszustand gilt nicht nur in China als die Grundlage für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Im Yiquan ist die Pflege der Gesundheit ein wesentlicher Aspekt dem große Bedeutung zukommt. Unser Lebensstil bringt es vermehrt mit sich, dass wir Raubbau an unseren gesundheitlichen Ressourcen betreiben. Effizientes und richtig durchgeführtes Training der Pflege des Lebens (yang sheng) im Sinne eines das ganze Leben umfassenden Übungsweges, zeigt wie ein zu viel an (Ver-)Spannung rechtzeitig erkannt und somit gezielt abgebaut werden kann. Kraft verschleißende Muster in unseren täglichen Bewegungsabläufen, wie auch in der Ausrichtung des Körpers können so bearbeitet werden. Es gilt zu lernen körperlichen wie auch geistigen Stress zu vermeiden.

Yiquan kann auch Einsatz als Burn Out Prävention finden.

Viele Wiederholungen im Übungsaufbau ermöglichen es uns, in die Ruhe zu gehen, vom Denken zum Fühlen zu kommen, und somit eine Trainingsqualität hervorzubringen, welche uns mit passenden Antworten auf interne und externe Belastungen reagieren lässt.

Das traditionelle Qi Gong, also einfaches Stehen, wo die innere Übungsqualität, ohne Einsatz von großer äußerer Formensprache, im Vordergrund steht, ist charakteristisch für die Gesundheitspflege im Yiquan. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Begriff des Qi Gong auch in China erst während des 20. Jhd. größere Verbreitung fand. Bis Ende des 19. Jhd. waren zwei andere Begriffe gebräuchlich: Yangsheng (Pflege des Lebens) oder auch Daoyin (Lenken und Leiten).

Das Training der Gesundheitspflege im YIQUAN umfasst:

  • die Wahrnehmung des eigenen Körpers neu entdecken, vertiefen und genießen
  • Optimierung der Haltung, Balance und Ausrichtung
  • die Regenerationsfähigkeit steigern
  • Anregung des Lymphflusses zur Entgiftung des Körpers und Verbesserung der Blutzirkulation
  • neue Aspekte der Selbsterfahrung erschließen
  • Bewegung und Ruhe, yin & yang, als zwei sich bedingende Aspekte erleben
  • einfaches Tun (wu wei), Mühelosigkeit als eine Qualität im Alltag entdecken
  • Ruhe und Gelassenheit entwickeln
  • Förderung von emotionaler Ausgeglichenheit
  • Erhöhung der Belastbarkeit

Meditation

Die zentrale Übung im Yiquan ist das zhangzhuang gong oder auch Stehen wie ein Baum’.  Diese Übung, welche auch als das Zen im Stehen bezeichnet wird, bringt unsere Gedanken zur Ruhe. Als tiefgehende Entspannungstechnik ermöglicht das einfache Stehen, einen klaren Zustand von Kraft und innerem Frieden zu kultivieren. Wir werden uns nach und nach unseres inneren Wesens und unseres ursprünglichen Seins bewusst. Körper und Geist erfahren eine tiefgehende Reinigung und angenehme Stille kehrt ein.
Im zhanzhuang gilt die Prämisse des ’einfachen Tuns’. Gedanken wirken dem Erleben entgegen. Je mehr Bereitschaft und Kontinuität in das Erleben investiert wird, desto mehr ergibt sich zu lernen. Ein größeres Handlungs- und Erlebensspektrum eröffnet sich. Die standhafte Verbindung zum Boden, ermöglicht letztlich, dass Erfahrenes für den Praktizierenden fassbar, begreifbar und im Alltag umsetzbar wird.

Kampfkunst

Das Ziel des Trainings ist Aufmerksamkeit und Achtsamkeit hervorzubringen. Yiquan zählt zu den inneren Kampfkünsten und bedeutet frei übersetzt Geistboxen. Yi steht für die Intention (Vorstellungskraft) und quan für Faust (das System einer Kampfkunst). Im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten wird weitgehend auf äußere Formen verzichtet. Fokussiert wird auf die Essenz der inneren Kampfkünste:

  • Schulung des Geistes
  • Befriedung des Herzens
  • Aufbau von innerer Kraft

Unser ureigenes angeborenes Potenzial und die in Vergessenheit geratenen natürlichen Fähigkeiten werden wiederentdeckt und können sich frei entfalten. Dadurch wird es ermöglicht unmittelbar, kraftvoll und spontan zu agieren.

Im Bereich der Kampfanwendung wird durch das Training des einfachen Stehens ein hohes Maß an Standfestigkeit und Stabilität erreicht. Änderungen in der Ausrichtung der gegnerischen Kraft können unmittelbarer wahrgenommen werden und es kann in passender Weise reagiert werden.

Über mehr als zwei Jahrtausende prägten der Daoismus, der Buddhismus und der Konfuzianismus das Leben und Denken in China.
Im kulturellen Umfeld dieser drei Philosophien entwickelten sich Übungsmethoden (Gong Fu) für die Bereiche der Gesundheitspflege (yang sheng), Meditation und Kampfkunst (ji ji quan).
Nach der traditionell chinesischen Sichtweise bedingen effiziente Gesundheitspflege und Meditation einander. Sie stellen die Basisvorraussetzungen für alle Anwendungsbereiche in der Kampfkunst dar.

Der Daoismus

Der Daoismus wird auf Laozi (500 v. Chr.) zurückgeführt. Die Orientierung des Menschen an den Vorgängen der Natur gilt im Daoismus als Ausgangpunkt für alle Bereiche des Daseins. Maxime und Vorraussetzung für ein gelungenes Leben ist demnach, Einfachheit und Natürlichkeit (ziran) zu erreichen. Es  bedeutet, mit der dem Menschen angemessenen Tugendhaftigkeit (de), in Einheit mit dem Dao (dem Ureinen), zu handeln. Das Yin und Yang-Prinzip bezeichnet die grundlegenden Kräfte des Dao. Das Dao stellt den natürlichen Verlauf der Dinge dar. Es handelt sich um eine Qualität, die alles Existente durchdringt. Übungsmethoden des Inneren Gong Fu wurden praktiziert, um in Einklang mit der Natur die Kräfte des Universums zu erschließen.

Folgende Annahmen prägen die Übungswege des Daoismus:

Im Menschen als Teil der Natur liegt die Information der Gesamtheit veranlagt.
Ohne künstlich einzugreifen, gilt es das Potenzial sich ungestört entwickeln zu lassen.

Der Buddhismus

Die philosophischen Grundlagen des Yiquan sind auf den Chan-Buddhismus zurückzuführen. Aus dem Chan haben sich in weiterer Folge auch die Zen Traditionen entwickelt. Die Schulung und Befriedung des Herzens sind Ziele des Yiquan Übungsweges.
Als Ausgangspunkt des Buddhismus steht die Ansicht, das ein Leben ohne nennenswerte spirituelle Entwicklung als unzureichend und damit leidvoll zu akzeptieren ist. Der Buddhismus gab allen Menschen, im Gegensatz zu den historisch vorhergegangenen  Glaubenssystemen ein anerkennendes Zugeständnis. Das Potenzial zur spirituellen Entfaltung ist als Grundausstattung auf der Reise durch die Daseinsbereiche in jedem Menschen vorhanden. Durch die Verwirrungen des Alltages (samsara), liegt diese Veranlagung jedoch brach und ungenützt. Ohne spirituelle Praxis wird unser Potenzial im Keim erstickt und kann folglich des abhängigen Entstehens keine Früchte tragen.

Buddhistische Schulen zeigen, dass der Mensch sich durch falsche Erwartungen und Beurteilungen immer tiefer in Verstrickungen verfängt. Der einzige Weg um Frieden zu erlangen, ist die Befreiung aus den Kreisläufen, welche durch Erwartung, Beurteilung und Handlung getrieben werden. Die gesamte buddhistische Praxis dient dazu, den höchsten Weg, also die Befreiung von Fehlannahmen, zu erreichen.

Im Bereich der Kampfkünste kann die buddhistische Auffassung so ausgedrückt werden:

Nur unvoreingenommenes Handeln ist wahres Handeln.

Der Konfuzianismus

Ist seinem Ursprung nach eine auf Verhaltenkodex und Sittenlehre basierende Geisteshaltung. Als Staatsphilosophie geht sie auf Kongzi (500 v. Chr.) zurück. Durch die Verehrung seiner Person, fand das so entstandene Gedankengebäude in Folge auch als Religion Weiterentwicklung. Das Gong Fu (Übungsmethode) zielte im Kontext des Konfuzianismus darauf ab, den Menschen in Harmonie mit dem ihm umgebenden sozialen Gefüge zu stellen. Der Weg hierzu wurde in der Entwicklung von tugendhaftem Handeln (de) verortet.
Im Bereich der inneren Kampfkünste kommen vom Konfuzianismus geprägte Grundlagen, im moralischen Kodex zwischen Lehrer und Schüler zur Anwendung. Die Gegenseitige Bereitschaft zur Tradierung der Lehre ermöglicht bzw. verunmöglicht deren Fortbestand und lebendige Weitergabe.

Grundgedanke ist:

Die Harmonie im Kleinen, also in den tagtäglichen Beziehungen, ist Abbild der Harmonie des großen Ganzen. Um innere und äußere Harmonie zu erreichen, gilt es mit Respekt seinem unmittelbaren Umfeld zu begegnen.

Gegensätze vereinen

In der chinesischen Philosophie gibt es zahlreiche Beispiele für die Verbindung von scheinbaren Gegensätzen zu einem umfassenden Ganzen. Yin und Yang sind wohl das bekannteste Beispiel. Sie stehen für aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien. In dem berühmten Symbol des Taijitu wird dieses Prinzip dargestellt. Das weiße Yang steht dem schwarzen Yin  gegenüber.  Beide Polaritäten scheinen ineinander zu fließen und beinhalten, in Form eines Punktes, die Elemente des Gegenpols in ihrer Mitte.

Qi ist Energie, eine Spannung, die sich in ständiger Schwingung befindet. Schwingung entsteht stets im Spannungsverhältnis von Polaritäten. Im natürlichen Umfeld können als Beispiele für Polaritäten Himmel und Erde genannt werden.

Die Standposition zhanzhuang gong, ohne für den Betrachter von außen erkennbare Bewegungsabfolge, ist mit einer Qualität der inneren Bewegung verbunden. In der Wahrnehmung wird ein Körpergefühl des Steigens und Sinkens abrufbar. Wenn weniger Übungspraxis vorhanden ist, erfolgt eine Annäherung durch eine chronologische Abfolge. Das Steigen wird wahrgenommen und danach das Sinken. Durch tiefgehende Übungspraxis sind beiden Qualitäten, also Steigen und Sinken, in der Wahrnehmung gleichzeitig präsent. Es erfolgt eine entspannende und vitalisierende Wirkung, wobei die Wahrnehmung umfassender wird.

Das einfache Stehen, zhanzhuang gong ist auch als Himmel-Erd Säule bekannt. Dieser Begriff bezieht sich auf die Verbindung des yang Elementes (Himmel) mit dem als Wurzel bezeichneten yin Element (Erde). Es wird ein Gefühl erfahrbar, welches über den Körper hinausreichend das Oben und Unten verbindet. Nach dieser von Konfuzianismus und Daoismus geprägten Sichtweise, besteht eine Verbindung zwischen den Elementen Himmel und Erde im Leben. Durch die Trennung tritt der Tod ein.

Intention und innere Kraft
Wirkungsweise des Übungsweges aus traditioneller chinesischer Sicht

Im Yiquan wird yi mit den Begriffen Intention und Vorstellungskraft übersetzt und wird als ein Teilaspekt von shen (Geist) verstanden.
Yi, die Intention, steht im Yiquan an erster Stelle und bezieht sich auf das innere Kraft hervorbringende Zusammenspiel von Körper und Geist. Eine Bewegungsausführung, ohne das bewusst genutzte Potenzial der Willenskraft, ist demnach eine inhaltslose Bewegung. Falsche Bewegungsführungen neigen zu Anfälligkeit für störende Faktoren. Die Vorgehensweise des Übenden sind folglich für den Trainingspartner leicht vorhersehbar. Die Gefahr besteht aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Der Einsatz der Intention ermöglicht ganz im Hier und Jetzt zu sein, sowie auf schnell wechselnde Gegebenheiten, unmittlebar und der Situation angemessen zu reagieren.

wu wei
das einfache Tun

Der Begriff wu wei bedeutet einfaches Tun, situativ angemessen zu handeln, ohne Ziele zu verfolgen oder das Geschehen zu bewerten. Im Kontext von wu wei steht im Daoismus die Frage nach einer idealen Funktionsweise und damit die Frage nach dem besten Weg etwas zu erreichen im Vordergrund.
Im Yiquan gilt die Prämisse des einfachen Tuns. Gedanken wirken dem Erleben entgegen. Je mehr Bereitschaft und Kontinuität in das Erleben investiert wird, desto mehr ergibt sich zu lernen. Ein größeres Handlungs- und Erlebensspektrum eröffnet sich.
In der Ansicht echtes Handeln ist ohne Nicht-Handeln nicht möglich, eröffnet sich die grundlegende Denkweise des Daoismus. Durch die Bedingtheit von Fülle und Leere ist hier das Konzept von wu wei zentraler Bestandteil.

 

Hier möchte ich kurz die einzelnen Übungsdisziplinen des Yiquan vorstellen. Für Anfänger sind vor allem die ersten drei Übungen von Bedeutung, da sie eine zentrale Rolle im Übungssystem darstellen. Sie sind wesentlich für Meditation und die Pflege der Gesundheit und bilden die Basis dieser Kampfkunst. Die darauf aufbauenden weiteren Disziplinen werden von Fortgeschrittenen für die Kampfanwendung trainiert.

Zhanzhuang gong bezeichnet die Meditation im Stehen und ist die Basisübung um innere Kraft (hunyuan) zu entwickeln. Der Standposition des zhanzhuang gong, als essentielle Übung, wird im Training des Yiquan viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Die Stehpraxis geht mit einer Verfeinerung der Wahrnehmung einher. Dadurch wird die Übungsdauer,  in Abhängigkeit des jeweiligen Vertiefungsgrades, unterschiedlich empfunden. Zhanzhuang erscheint von außen betrachtet regungslos, im Inneren beginnt dennoch alles zu fließen. Durch das Training des zhangzhuang wird ein Gefühl für innere Bewegungen und innere Kraft entwickelt.
Shili bedeutet testen oder auch schmecken der Kraft, wobei durch den Einsatz des Yi (Intention), eine mit Meditation in Verbindung stehenden Übungsqualität in der Bewegung hervorgebracht wird. Die innere Kraft wird durch shili in Bewegung umgesetzt. Harmonische, sanfte aber dennoch kraftvolle Bewegungen kennzeichnen das Training von shili.
Ebenso wie im shili  zielen wir auf die Wahrnehmung von Kraft im Eigentraining sowie auf Funktionalität im Anwendungsbereich ab. Das Training ermöglicht es uns,   sehr wendig zu sein und gleichzeitig sichere Schritte zu setzen.
Die ’Methode der Kraft’  beinhaltet komprimierendes Speichern gefolgt von  explosionsartiger Freisetzung der  Kraft. Es handelt sich um eine extrem verdichtete Form von lebendiger Kraft. Das Anwenden von fali bringt in der Kampfanwendung hohe Effizienz.  Die explosiv freigesetzte  Kraft wird in anderen chinesischen Kampftraditionen oft als fajin bezeichnet.
Tui shou bedeutet ’schiebende Hände’. Es handelt sich um mit beiden Armen (shan tui shou), aber auch mit einem Arm (dan tui shou) ausgeführte Übungen. Das Wahrnehmen der in der Interaktion auftretenden Kräfte wird geschult. In diesem Sinne gelten die Kontaktpunkte als sowohl Aktionspunkte wie auch Informationspunkte. Sobald die genaue Kraftrichtung der gegnerischen Kraft bestimmt wurde, wird sie über runde Bewegungsführungen abgelenkt. Tui shou integriert die Qualitäten von shili in eine auf Funktionalität ausgelegte Partnerübung. Das Grundprinzip besteht im ’Schützen der eigenen Mitte’, während nach Möglichkeit ein Angriff auf den Partner erfolgt.
San shou oder ’wirbelnde Hände’ bezeichnet das Praktizieren von Freikampf im Yiquan. Die erlernten Techniken kommen in intuitiver Weise zur Anwendung.
Shi sheng sind ’heilende Laute’, die hervorgebracht werden, um eine schützende Wirkung auf innere Organe zu erzeugen bzw. den ausgeführten Schlägen mehr Kraftwirkung zu verleihen.
Jian wu wird auch ’Heilstanz’ genannt, und ist als eine freie Interpretation von Elementen der shili Bewegungsabfolgen mit individuellen Übergängen im Sinne einer Autoregulation durch Bewegungsausführung zu verstehen.

Wang XiangzhaiYiquan wurde vom chinesischen Meister der Kampfkünste Wang Xiangzhai (1886-1963) entwickelt. Ausgehend vom Xing Yi entwickelte Wang Xiangzhai Yiquan als eigenständiges Kampfkunstsystem. Er stellte mit der Betonung des Yi (Intention) die intensive Schulung des Geistes über die  formale Anwendung von Techniken. Yiquan verzichtet auf aufwendige Formensprache und choreographisch anmutenden Einsatz der Techniken. Es gilt als einfach und pur. Oft wird Yiquan als die Essenz der inneren Kampfkünste bezeichnet.

Das einfache Stehen, zhanzhuang gong war für Wang Xiangzhai zentrales Übungselement. Das umfassende Verständnis dieser Übungsmethode vermittelte der damals berühmteste Xing Yi Meister Guo Yunshen seinem letzten Meisterschüler, dem zu dieser Zeit noch sehr jungen Wang Xiangzhai. Er verstand sich darauf, rasch Zugang zur vertieften Meditation, sowie die Nutzung des Potenzials des Einfachen Stehens, zur Vermeidung von psychischer und physischer Erschöpfung zu finden. In den 1920 er Jahren etablierte Wang Xiangzhai Yiquan als eigenständiges Kampfkunstsystem. Das Stehen war Kern der Praxis und wurde weitaus länger und intensiver als in anderen Kampfkunsttraditionen trainiert. Anstelle des im Xing Yi gelehrten Repertoires an über 100 verschiedenen komplexen Übungsformen, wurden einfache grundlegende Bewegungsabläufe trainiert. Dadurch gewann das Erleben der Übungen eine für die Schüler unvergleichliche Qualität. Gerne wurde Yiquan von ihnen auch als Dacheng quan (die Große Vollendung) bezeichnet.

 

 

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